Teilnehmer beim Workshop New Work – Algorithmus trifft radiologischen Praxisalltag auf dem Röko 2026
Teilnehmer beim Workshop New Work – Algorithmus trifft radiologischen Praxisalltag auf dem Röko 2026 © Sven Preusker

Zwischen Aufbruch und Unsicherheit: Rückblick auf den RöKo 2026

/ RT-Redaktion / Veranstaltungen

Mit einer insgesamt positiven, aber keineswegs ungetrübten Bilanz blickt Prof. Dr. Henrik Michaely auf den Deutschen Röntgenkongress 2026 in Leipzig zurück. Der Kongress sei besser besucht gewesen als von vielen erwartet und habe erneut gezeigt, welchen Stellenwert persönliche Begegnungen und der fachliche Austausch für die Radiologie besitzen. Gleichzeitig hätten gesundheitspolitische Entwicklungen viele Gespräche geprägt und die Stimmung insbesondere bei niedergelassenen Radiologen gedämpft.

Im Mittelpunkt der politischen Diskussionen stand aus Sicht des Vorstands der Radiologengruppe 2020 (RG20) vor allem das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Die vorgesehenen Begrenzungen der Ausgabenentwicklung träfen nicht nur Hausärzte, sondern auch Facharztpraxen unmittelbar. Besonders kritisch sieht er die Auswirkungen auf langfristige Investitionsentscheidungen. Viele Praxen hätten Anschaffungen und Ausbaupläne unter anderen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen getroffen. Veränderten sich diese kurzfristig, könne dies erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen haben. Zwar räumt Michaely ein, dass die gesetzliche Krankenversicherung dauerhaft nur die Mittel ausgeben könne, die tatsächlich zur Verfügung stehen. Gleichzeitig warnt er jedoch davor, die Folgen für die ambulante Versorgung zu unterschätzen. Sinkende Finanzierungsmöglichkeiten könnten langfristig zu Einschränkungen im Leistungsangebot führen.

Neben der Gesundheitspolitik prägten technologische Entwicklungen das Bild des Kongresses. Besonders deutlich wurde dies beim Thema Künstliche Intelligenz. Nach Einschätzung Michaelys hat sich der Markt innerhalb weniger Jahre erheblich weiterentwickelt. Während KI-Anwendungen früher häufig auf einzelne Auswertungen oder die automatisierte Berichtserstellung beschränkt gewesen seien, würden moderne Systeme heute zunehmend in den eigentlichen Befundungsprozess integriert. Die Unternehmen präsentierten sich deutlich professioneller und breiter aufgestellt als noch vor wenigen Jahren. Der Markt differenziere sich zunehmend aus und erreiche eine neue Reifestufe.

Allerdings spiegele sich diese Entwicklung bislang nur eingeschränkt in den Vergütungsstrukturen wider. Während der praktische Nutzen vieler Anwendungen inzwischen sichtbar werde, fehle häufig noch eine angemessene finanzielle Abbildung. Als Beispiel nennt Michaely das Lungenkrebsscreening, bei dem KI mittlerweile regulatorisch vorgesehen ist. Hier entstehe erstmals eine indirekte Vergütung für den Einsatz entsprechender Technologien. Ob dies ein Modell für weitere Anwendungsfelder werden könne, werde sich in den kommenden Jahren zeigen.

Auch das Lungenkrebsscreening selbst gehörte zu den prägenden Themen des RöKo 2026. Fachlich bestehe weitgehend Einigkeit über den Nutzen einer frühzeitigen Diagnostik für die Heilungschancen der Betroffenen. Die Einführung werde jedoch durch aufwendige Genehmigungs- und Zulassungsverfahren verzögert. Michaely sieht darin ein Beispiel für die häufig langwierigen regulatorischen Prozesse im deutschen Gesundheitswesen.

Einen Blick in die Zukunft der radiologischen Arbeitswelt warf der Workshop der RG20 unter dem Titel „New Work – Algorithmus trifft radiologischen Praxisalltag“. Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse und beschäftigte sich mit der Frage, wie radiologische Versorgung künftig organisiert werden kann. Im Mittelpunkt standen neue Arbeitsmodelle, standortübergreifende Zusammenarbeit und die zunehmende Bedeutung digitaler Vernetzung. Dabei wurde deutlich, dass sich die Arbeitsrealität in der Radiologie bereits stark verändert. Aufgaben werden heute häufig verteilt über mehrere Standorte erbracht, Teams arbeiten flexibler und klassische Organisationsformen geraten zunehmend unter Anpassungsdruck. Auf das Thema „New Work“ geht übrigens auch der Praxis-Tipp von Prof. Bernd Halbe in diesem Newsletter ausführlich ein.

An einem Beispiel aus der Teleradiologie wurde zum Beispiel deutlich, dass sich remote ausgeübte Tätigkeiten großer Beliebtheit erfreuen, während Stellen mit Präsenzpflicht deutlich schwieriger zu besetzen sind. Die Herausforderung bestehe darin, den Wunsch nach flexiblen Arbeitsmodellen mit den Anforderungen der Patientenversorgung vor Ort zu vereinbaren. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels werde diese Frage die Radiologie in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen.

Für die Zukunft wünscht sich Michaely vor allem eine stärker faktenorientierte gesundheitspolitische Debatte. Politische Entscheidungen sollten sich aus seiner Sicht stärker an objektiven Daten und den tatsächlichen Auswirkungen auf die Versorgung orientieren. Mit Blick auf den Röntgenkongress selbst zeigt er sich dagegen optimistisch. Der eingeschlagene Kurs sei richtig, die Organisation gelungen und die fachliche Vielfalt beeindruckend. Wenn es gelinge, den konstruktiven Austausch zwischen Wissenschaft, Versorgung und Politik weiterzuführen, könne die Radiologie den aktuellen Herausforderungen mit Zuversicht begegnen.