Wann ist Bildgebung bei muskuloskelettalen Schmerzen sinnvoll?
/ Dr. med. Nicole Lindner / Forschung
Wann ist Bildgebung bei Rücken-, Schulter-, Knie- oder anderen muskuloskelettalen Schmerzen sinnvoll – und wann eher nicht? Das Programm Betti (‚Better Imaging‘) unterstützt angemessene Bildgebungsentscheidungen bei muskuloskelettalen Schmerzen. Die Intervention umfasst ein Schulungsmodul für Ärzte, eine leitlinienbasierte Entscheidungshilfe sowie multimediale Patienteninformationen. Erste Tests zeigen: Betti wird als relevant, gut strukturiert und praxisnah wahrgenommen.
Betti: Unterstützung für angemessene Bildgebung bei muskuloskelettalen Schmerzen
Rücken-, Schulter-, Knie- oder andere Schmerzen des Bewegungsapparates gehören zu den häufigsten Beratungsanlässen. Dabei steht nicht selten die Frage im Raum, ob eine Bildgebung sinnvoll ist. Für Patienten kann Bildgebung Sicherheit versprechen. Gleichzeitig zeigen Leitlinien und Studien, dass sie bei muskuloskelettalen Schmerzen nicht immer erforderlich ist und in bestimmten Situationen sogar zu Verunsicherung, Überdiagnostik oder unnötigen Folgeuntersuchungen beitragen kann.
Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Programm Betti (‚Better Imaging‘) setzt genau an dieser Schnittstelle an. Es wurde entwickelt, um Ärzte und Patienten dabei zu unterstützen, gemeinsam informierte und angemessene Entscheidungen zur diagnostischen Bildgebung zu treffen. Im Mittelpunkt steht nicht die pauschale Vermeidung von Bildgebung, sondern die Frage: Wann hilft Bildgebung tatsächlich weiter – und wann ist sie wahrscheinlich ohne Nutzen für die weitere Behandlung?
Betti besteht aus mehreren aufeinander abgestimmten Bausteinen. Für Ärzte bietet das Programm ein multimediales Schulungsmodul mit Hintergrundwissen zu angemessener Bildgebung und zur Kommunikation in der Konsultation. Ergänzend steht eine leitlinienbasierte Entscheidungshilfe zur Verfügung, die bei unterschiedlichen muskuloskelettalen Beschwerden unterstützt. Für Patienten wurden verständliche Informationsmaterialien in verschiedenen Formaten entwickelt, darunter Online-Informationen, Broschüre, Video und Podcast.
Damit liefert Betti einen Ansatz, um angemessene Bildgebungsentscheidungen bei muskuloskelettalen Schmerzen zu fördern und unnötige Bildgebung zu reduzieren, ohne berechtigte diagnostische Abklärung zu erschweren. Das Programm kann insbesondere in der hausärztlichen Versorgung unterstützen, ist aber auch für andere Bereiche interessant, in denen Bildgebung bei Beschwerden des Bewegungsapparates regelmäßig diskutiert wird.
Weitere Informationen zum Programm stehen auf der Projektwebsite www.entscheidung-bildgebung.de zur Verfügung.
Dieser Beitrag stammt aus dem Newsletter Radiologie im Juni 2026. Melden Sie sich hier kostenlos an, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!