Kind an einem Mini-MRT Gerät auf dem ein Plüsch-Pinguin liegt
© Unimedizin Mainz

Neues MRT-Konzept soll zu weniger Narkosen bei Kindern beitragen

/ RT-Redaktion / Medizintechnik

Viele Kinder benötigen für eine MRT-Untersuchung noch immer eine Narkose – mit Risiken, zusätzlichem Aufwand und oft langen Wartezeiten. Das Projekt ‚KidsMRI‘ setzt dort mit einem neuen Lösungsansatz an, der nun erprobt werden soll. Dafür hat die Mainzer Universitätsmedizin einen Antrag beim Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) eingereicht.

Warum viele Kinder bisher eine Narkose benötigen

„Unser Ziel ist es, Kindern die MRT-Untersuchung so stressfrei wie möglich zu ermöglichen – ohne Narkose und möglichst wohnortnah“, so Univ.-Prof. Dr. med. Ahmed Othman, Geschäftsführender Oberarzt für Radiologie und Neuroradiologie an der Universitätsmedizin Mainz, der das Projekt leitet. „Dafür kombinieren wir medizinische, pädagogische und technische Ansätze zu einem neuen Versorgungskonzept“, sagt Priv.-Doz. Dr. med. Haidara Al Mansour, Facharzt für Radiologie an der Universitätsmedizin Mainz und stellvertretender Leiter des Projekts.

Die Magnetresonanztomografie (MRT) gilt als besonders schonendes bildgebendes Verfahren, da sie ohne ionisierende Strahlung auskommt. Gerade für Kinder ist sie daher grundsätzlich gut geeignet. In der Praxis zeigt sich jedoch ein zentrales Problem: Während der Untersuchung müssen die Patienten vollkommen stillliegen – was insbesondere jüngeren Kindern oft schwerfällt.

Deshalb erhalten viele Kinder bis zum Alter von etwa acht Jahren eine Narkose. Diese ist nicht nur mit medizinischen Risiken verbunden, sondern belastet auch die Familien. Zugleich bindet sie personelle und technische Ressourcen und führt dazu, dass viele MRT-Untersuchungen derzeit überwiegend im stationären Setting stattfinden. Ambulante Angebote sind bislang selten – mit Folgen für Kapazitäten, Wartezeiten und die wohnortnahe Versorgung. Besonders betroffen sind dabei Kinder mit chronischen Erkrankungen, die regelmäßig auf bildgebende Diagnostik angewiesen sind.

Vorbereitung, Betreuung und Technik kombinieren

Ziel des Projekts ‚KidsMRI‘ ist es, ein Konzept zu erproben, mit dem Kinder ab etwa vier Jahren auch ohne Narkose untersucht werden können. Der Ansatz kombiniert mehrere Bausteine: Die Kinder werden bereits zu Hause mit altersgerechten Materialien auf die Untersuchung vorbereitet. In der Praxis oder Klinik begleiten speziell geschulte Fachkräfte den Prozess spielerisch. Zudem wird die Untersuchungsumgebung kindgerecht gestaltet. Ergänzend kommen beschleunigte MRT-Sequenzen zum Einsatz, die die Untersuchungsdauer deutlich verkürzen sollen.

Nächster Schritt: Umsetzungsphase

Das Projekt KidsMRI hat bereits für eine Konzeptentwicklungsphase einen Zuschlag vom Innovationsausschuss erhalten und in dieser Phase die strukturierte neue Versorgungsform und einen Vollantrag ausgearbeitet. Über diesen wird nun bis November entschieden. Die Mainzer planen eine größere Studie mit rund 500 Kindern, in der geprüft werden soll, ob und wie sich der Ansatz im Versorgungsalltag umsetzen lässt. Dabei geht es vor allem um die diagnostische Qualität der Untersuchungen, Belastung von Kindern und Eltern, gesundheitsökonomische Aspekte sowie die praktische Umsetzbarkeit im klinischen und ambulanten Setting.

Das Projekt adressiere ein zentrales Versorgungsproblem, so Othman. Mit der Breite des Konsortiums und der Einbindung von Krankenkassen habe man eine belastbare Grundlage geschaffen, um das Konzept systematisch zu evaluieren. Man sei zuversichtlich, dass der Ansatz einen relevanten Beitrag zur Weiterentwicklung der Versorgung leisten könne.

Koordiniert wird das Projekt von der Universitätsmedizin Mainz. Beteiligt sind darüber hinaus radiologische Einrichtungen aus Klinik und Praxis, wissenschaftliche Partner aus Biometrie, Psychologie und Pädagogik sowie gesetzliche Krankenkassen und Patientenvertretungen. Ziel ist eine praxisnahe Entwicklung mit Blick auf eine Überführung in die Regelversorgung. Zusätzlich werden die Deutsche Röntgengesellschaft e.V. und die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie e.V. das Vorhaben fachlich begleiten und ihre Expertise in die Bewertung des Konzepts einbringen.

Dieser Beitrag stammt aus dem Newsletter Radiologie im August 2026. Melden Sie sich hier kostenlos an, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!