Hochintensiver fokussierter Ultraschall zur Behandlung von neurologischen Erkrankungen, Tremor, Parkinson und Epilepsie. Futuristisches Szenario.
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Neuer Ansatz beim fokussierten Ultraschall gegen Parkinson

/ RT-Redaktion / Forschung

Parkinson ist eine Krankheit, von der weltweit nach Schätzungen der WHO mindestens neun Millionen Menschen betroffen sind. Wer daran erkrankt, erlebt langsamere Bewegungen, Zittern, steifer werdende Muskeln. Und hat die belastende Aussicht, dass es bis heute keine Heilung gibt, sondern nur Therapien, die den Verlauf bremsen oder Symptome lindern. Bisher bedeutet das vor allem: Tabletten, die den Mangel an Dopamin im Gehirn ausgleichen, und – wenn das nicht mehr reicht – neurochirurgische Eingriffe. Doch ein neuer Forschungsansatz setzt auf eine schonendere Alternative: die nicht-invasive Stimulation des Gehirns durch fokussierte Ultraschallwellen. Hieran forscht auch das Donders Institute im niederländischen Nimwegen, ein international renommiertes Zentrum für Hirn- und Kognitionsforschung, das zur Universität Nimwegen gehört.

„Solange wir noch keine neue Generation von Medikamenten haben, werden wir weiter mit der Gabe von Dopamin arbeiten“, so Edward de Haan, wissenschaftlicher Direktor des Donders Institute. Die Ersatztherapie für das fehlende Dopamin bleibe vorerst der Eckpfeiler der Behandlung; ohne sie könnten viele Patienten ihren Alltag kaum bewältigen. Bei schweren Verläufen kommen zudem Operationen wie die Tiefe Hirnstimulation (Deep Brain Stimulation, DBS) oder Eingriffe im Thalamus, einer zentralen Schaltzentrale des Gehirns, hinzu: Dort werden überaktive Nervenbahnen durchtrennt oder mit Elektroden beruhigt, um extremes Zittern der Betroffenen zu stoppen. Doch so wirksam diese Verfahren sind: Sie erfordern einen nicht ganz ungefährlichen Eingriff ins Gehirn.

In Nimwegen arbeiten Forschende daran, dass sich diese Perspektive eines Tages ändert, nicht nur mit Blick auf Parkinson. „Hirnerkrankungen betreffen jeden Vierten“, so der Neurowissenschaftler Julian Kosciessa vom Cognitive Neuromodulation Lab des Donders Centre for Cognition. Gleichzeitig seien viele etablierte Medikamenten- und Psychotherapien nicht präzise genug, und klassische Operationen setzten voraus, „dass man den Kopf öffnet“: „Neurologie und Psychiatrie brauchen neue Interventionen“, fasst er zusammen.

Gehirn-OP ohne Skalpell

Eine dieser neuen Interventionen ist fokussierter Ultraschall (Focused Ultrasound Stimulation), quasi eine Art „Gehirn-OP ohne Skalpell“. Die Grundidee erinnert an eine Lupe in der Sonne: Werden Strahlen an einem Punkt gebündelt, entsteht genau dort die größte Wirkung. „Ultraschall ermöglicht uns eine Alternative, ohne den Kopf zu öffnen“, sagt Kosciessa. „Wichtige Hirnregionen sind tief, klein und komplex. Wir wollen sie erreichen, ohne operieren zu müssen.“ Schon heute wird hochenergetischer fokussierter Ultraschall andernorts eingesetzt, um bei starkem Tremor winzige Bereiche im Thalamus zu veröden. Ziel ist, das Zittern zu unterbinden.

In Nimwegen liegt der Schwerpunkt jedoch auf einer subtileren Anwendung: sehr niedrige Intensitäten, die das Gewebe nicht erhitzen, sondern mechanisch minimal beeinflussen. Die Schallwellen versetzen Zellen in sehr leichte Schwingungen und reizen dadurch Ionenkanäle in den Zellmembranen: molekulare Schalter, über die Nervenzellen ihre Signale weitergeben. So entsteht die Möglichkeit, tief gelegene Hirnregionen vorübergehend zu stimulieren, ohne sie zu verletzen. Das verlangt enorme Genauigkeit: Schädelknochen unterscheiden sich von Mensch zu Mensch in Dicke und Dichte, also muss berechnet werden, wie die Schallwellen sich im Kopf des individuellen Patienten ausbreiten. Für Menschen mit Parkinson könnten solche Eingriffe eines Tages eine echte Alternative zu Operationen werden oder sie gezielt ergänzen.

Auf der Spur der Ursachen

Parallel dazu wird in Nimwegen an den Ursachen von Parkinson geforscht. Un Interessierte können sich die Forschung, für das Publikum aufbereitet, auch ansehen: Mitten in der Altstadt liegt die historische Latijnse School, die das Donders Brain Museum mit mehr als 10.000 Besuchern jährlich beherbergt. Das Donders Institute versteht sich als junges, internationales Zentrum: In dem Institut arbeiten über 1.400 Forschende gemeinsam daran, „das menschliche Gehirn, Kognition und Verhalten zu erforschen“ – vom Molekül über das Individuum bis zur Gemeinschaft. 65 Prozent der Mitarbeitenden sind Promovierende oder Postdocs, ergänzt durch mehrere Masterstudiengänge in Kognitiver Neurowissenschaft und Neurotechnologie sowie eine Graduiertenschule. Gleichzeitig setzt das Institut stark auf gesellschaftliche Wirkung: „Indem wir Wissenschaft zugänglich machen, wollen wir die breite Öffentlichkeit inspirieren und mitnehmen.“

Dieser Beitrag stammt aus dem Newsletter Radiologie 01/2026. Melden Sie sich hier kostenlos an, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!