Prof. Julian Luetkens
Prof. Julian Luetkens ©Universitätsklinikum Bonn (UKB)/Aljoscha Haupt

Luetkens leitet Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am UKB

/ RT-Redaktion / Personalie

Das Universitätsklinikum Bonn (UKB) hat eine neue Leitung für die Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie: Mit Prof. Julian Luetkens übernimmt ein Experte für moderne MRT-Verfahren und kardiovaskuläre Bildgebung die Direktion der Klinik. Nachdem er die Abteilung bereits seit 2024 kommissarisch geführt hatte, wurde er im November 2025 offiziell zum Klinikdirektor berufen. Gleichzeitig übernimmt er die Professur für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn.

Für Luetkens nimmt die Radiologie im Klinikbetrieb eine zentrale Rolle ein: „Radiologie hat ganz viele Schnittstellen im Krankenhaus – eigentlich funktioniert sie wie eine Art Flughafendrehkreuz im System: Viele Patient*innen kommen zu uns, wir bündeln Informationen aus verschiedenen Fachbereichen und geben Orientierung“, sagt er. „Manchmal stellen wir eine neue Diagnose, manchmal geben wir entscheidende Hinweise, die den weiteren Behandlungsverlauf beeinflussen. Und oft arbeiten wir wie Detektive, wenn zunächst unklar ist, welche Ursache die Beschwerden haben.“

Radiologie der Zukunft: Präziser, schneller, digitaler

Luetkens verfolgt eine klare Vision für die Weiterentwicklung der Radiologie: Untersuchungen sollen künftig deutlich schneller, präziser und digital gestützt ablaufen. Automatisierte Workflows, KI-basierte Unterstützungssysteme und moderne Sequenztechniken sollen sowohl Mitarbeitende entlasten als auch Patienten eine effizientere Versorgung ermöglichen.

„Wir stehen vor einer grundlegenden Weiterentwicklung unseres Faches. KI und quantitative Methoden werden die Befundung unterstützen, die Bildgebung beschleunigen und zukünftig eine personalisierte Diagnostik ermöglichen“, so Luetkens. Seine wissenschaftliche Arbeit konzentriert sich auf quantitative MRT-Verfahren, multimodale kardiovaskuläre Bildgebung und die Entwicklung von neuen bildgebenden Biomarkern, die Diagnostik und Prognosen von chronischen Erkrankungen verbessern können. Auch die klinische Etablierung neuer Verfahren wie der fetalen Herz-MRT geht maßgeblich auf seine Arbeiten zurück.

Parallel widmet er sich intensiv der Integration künstlicher Intelligenz in nahezu alle Bereiche der Bildgebung – von der Beschleunigung der Sequenzen mit Super-Resolution-Techniken bis hin zu automatisierten Auswertungsprozessen. Seit 2018 leitet er das multidisziplinäre Quantitative Imaging Lab Bonn (QILaB), das an der Schnittstelle von Entwicklung zur klinischen Translation arbeitet und innovative Bildgebungsverfahren erfolgreich in den klinischen Alltag überführt.

Zentrales Schnittstellenfach mit starkem interdisziplinären Anspruch

Als Kernfach der modernen Medizin sieht Luetkens die Radiologie nur dann erfolgreich, wenn sie eng mit allen anderen Disziplinen zusammenarbeitet. „Radiologie ist ein Schnittstellenfach. Wenn man sich abschottet oder die Türen zumacht, funktioniert das nicht“, sagt er. „Interdisziplinarität ist kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung, um Diagnosen schnell, sicher und patientenzentriert zu stellen.“

Luetkens studierte Humanmedizin in Pécs und Lübeck. 2018 habilitierte er sich mit seiner Arbeit zum Thema „Multiparametrische kardiale Magnetresonanztomografie bei akuter Myokarditis“. Gastaufenthalte führten ihn auch an internationale Standorte in den USA: 2017 an die Stanford University und 2022 an das Duke Cardiovascular Magnetic Resonance Center. Für seine Arbeiten und Lehrtätigkeiten erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2014 den Young Investigator Award der Deutschen Röntgengesellschaft und 2025 den Honored Educator Award der Radiological Society of North America (RSNA). Seit 2020 ist er in mehreren internationalen Leitlinien-, Fach- und Organisationskommissionen aktiv, darunter der European Society of Cardiovascular Radiology (ESCR), der European Society of Radiology (ESR) und der Society for Cardiovascular Magnetic Resonance (SCMR). Er ist Mitglied in mehreren Ediorial Boards, darunter auch Investigative Radiology und Radiology: Cardiothoracic imaging. 2024 wurde er zum außerplanmäßigen Professor der Universität Bonn ernannt, bevor er 2025 den Ruf auf die W3-Professur annahm.

Dieser Beitrag stammt aus dem Newsletter Radiologie 01/2026. Melden Sie sich hier kostenlos an, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!