Kopfposition im MRT entscheidend für Auftreten von Artefakten
/ RT-Redaktion / Studie
Dunkle, rautenförmige Areale in Magnetresonanztomografien (MRT) des Innenohrs sind nicht zwangsläufig ein Hinweis auf krankhafte Veränderungen – sie können schlicht davon abhängen, wie eine Person im Scanner liegt. Eine Pilotstudie an der Karl Landsteiner Privatuniversität (KL Krems) hat jetzt gezeigt, dass charakteristische ‚Flow-void‘-Artefakte im Vestibulum deutlich stärker ausfallen, wenn der Kopf nach hinten überstreckt ist, und geringer, wenn das Kinn in Richtung Brust geneigt wird. Bei der Überstreckung nach hinten berichteten einige Teilnehmende zusätzlich über Schwindel. Die Ergebnisse stützen die Annahme, dass starke Magnetfelder Flüssigkeitsbewegungen im Innenohr antreiben können – und legen nahe, die Kopfposition sowohl bei der Interpretation von Innenohr-MRT-Scans als auch im Hinblick auf den Untersuchungskomfort mit zu berücksichtigen.
Hochfeld-MRT-Geräte mit drei Tesla und mehr sind in der Neuroradiologie mittlerweile Standard. Bei diesen Feldstärken kann das statische Magnetfeld mit winzigen elektrischen Strömen in den Innenohrflüssigkeiten wechselwirken. Die dabei entstehenden Lorentz-Kräfte sind dafür bekannt, Nystagmus (unkontrollierte, rhythmische Augenbewegungen) und Vertigo (Schwindel) bei Menschen mit intaktem Gleichgewichtssystem auszulösen. Gleichzeitig reagieren MRT-Techniken, die das Labyrinth des Innenohrs abbilden, äußerst empfindlich auf langsame Flüssigkeitsbewegungen. Frühere Beobachtungen hatten diese Effekte mit kleinen, scharf begrenzten, signalarmen Bereichen im Vestibulum in Verbindung gebracht, die keiner anatomischen Struktur entsprechen. Die neue Studie sollte nun prüfen, ob sich diese Hypointensitäten (als ‚flow voids‘ bezeichnet) tatsächlich wie flussbedingte Artefakte verhalten und ob sie sich mit der Kopfneigung systematisch verändern.
Ein Team unter der gemeinsamen Leitung von Prof. Dr. Domagoj Javor, Leiter des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Krems sowie Dr. Béla Büki von der dortigen HNO-Abteilung untersuchte 20 gesunde Erwachsene ohne bekannte vestibuläre Erkrankung in einem drei-Tesla-Scanner. Die Fallzahl wurde bewusst klein gehalten; die Autoren verstehen das Projekt als Machbarkeitsstudie, nicht als abschließende klinische Prüfung. Bei jeder Person wurden zwei hochauflösende Innenohr-Scans mit einer T2-gewichteten SPACE-Sequenz durchgeführt: einmal mit nach vorne geneigtem Kopf (Kinn zur Brust) und einmal mit nach hinten geneigtem Kopf (Überstreckung). Rekonstruiert wurde in der Ebene des horizontalen Bogengangs. Zwei erfahrene Mediziner arbeiteten unabhängig voneinander und ‚verblindet‘ und bestimmten, welcher Anteil des Vestibulums von den signalarmen ‚flow-void‘-Arealen eingenommen wurde.
Das Muster war eindeutig: Bei nach hinten geneigtem Kopf nahm die signalärmere Fläche im Vestibulum auf beiden Seiten im Mittel um rund 15 Prozentpunkte gegenüber der Kinn-zur-Brust-Position zu. In derselben Kopfposition berichteten drei der 20 Teilnehmenden – etwa 15 Prozent – über leichten Schwindel; bei nach vorne geneigtem Kopf trat dies nicht auf. „Unsere Befunde zeigen, dass diese kleinen dunklen Bereiche im Vestibulum keine fixen anatomischen Merkmale sind, sondern sich mit der Kopfposition im Magnetfeld verändern“, so Javor. „Genau das erwartet man bei einem gutartigen, positionsabhängigen Artefakt – aber nicht bei einer Innenohr-Pathologie.“
Physikalisch passen die Beobachtungen zu Modellen zur magnetischen vestibulären Stimulation. Bei zurückgeneigtem Kopf steht die Hauptrichtung ionischer Ströme im Innenohr eher senkrecht zum Magnetfeld des Scanners. Dadurch wird die Lorentz-Kraft größer, was stärkere Bewegungen der Endolymphe in Teilen des Innenohrs – insbesondere im Utriculus und im lateralen Bogengang – begünstigen kann. Solche Bewegungen können einerseits Strukturen beeinflussen, die zur Schwindelentstehung beitragen, und andererseits das MRT-Signal so verändern, dass ein ausgeprägterer ‚flow void‘-Bereich entsteht.
Implikationen für die Praxis
Für den klinischen Alltag schlagen die Autoren einen pragmatischen Umgang vor: Wenn in einer T2-Spin-Echo-Sequenz eine verdächtige vestibuläre Hypointensität auffällt, kann es helfen, zu prüfen, ob sie sich mit der Kopfposition oder zwischen verschiedenen Sequenztypen verändert. Gradient-Echo-Sequenzen, die weniger empfindlich auf langsame Flüssigkeitsbewegungen reagieren, können als Vergleich dienen. Zudem kann es die Links-Rechts-Vergleichbarkeit verbessern, die Kopfneigung in sagittalen Übersichtsaufnahmen zu dokumentieren und konsequent in der Ebene des horizontalen Bogengangs zu rekonstruieren. „Radiologinnen und Radiologen sollten wissen, dass diese charakteristische, rautenförmige Hypointensität im Vestibulum bei Kopfüberstreckung tendenziell zunimmt und bei Kinn-zur-Brust-Position abnimmt“, so Büki. „Isoliert betrachtet kann sie wie eine fokale Läsion wirken – in vielen Fällen spiegelt sie jedoch lediglich Flüssigkeitsbewegung im starken Magnetfeld wider.“
Gleichzeitig betont das Team die Grenzen der Daten: Untersucht wurde an einem Standort, an einem drei-Tesla-Gerät, mit einem spezifischen T2-SPACE-Protokoll und nur 20 gesunden Erwachsenen. Der Spielraum für Kopfpositionen war durch die Kopfspule begrenzt; Augenbewegungen und Innenohr-Flüssigkeitsdynamik wurden nicht direkt gemessen. Die Ergebnisse sollen daher als in sich stimmige Pilotstudie verstanden werden, nicht als neuer Behandlungs- oder Befundstandard. Größere Untersuchungen bei unterschiedlichen Feldstärken – und vor allem Daten von Personen mit vestibulären Erkrankungen – sind erforderlich.
Originalpublikation: Head position matters: Position-dependent vestibular flow void artifacts in inner ear MRI and their clinical implications, D Javor: M Leyer: BK Ward: B Bennani-Baiti: E Ranharter: M Bauer: M Kirschbaum: M Brunner: B Büki, European Journal of Radiology 195 (2026) 112638, doi:10.1016/j.ejrad.2025.112638.
Dieser Beitrag stammt aus dem Newsletter Radiologie 02/2026. Melden Sie sich hier kostenlos an, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!