Eine Person in einem weißen Laborkittel arbeitet mit einem digitalen Stift an einem Bildschirm, der medizinische Daten und Diagramme in Pink und Blau zeigt.
©spyrakot – stock.adobe.com

KI unterstützt Brustkrebs-Screening

/ RT-Redaktion / KI

Die Beurteilung von Mammografien ist komplex, erfordert höchste Konzentration und oft eine zweite Meinung. Genau deshalb setzt das Brustkrebs-Früherkennungsprogramm QuaMaDi (Qualitätsgesicherte Mamma-Diagnostik) auf eine strukturierte Doppelbefundung. Seit Anfang Juli wird dieses bewährte Programm für Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko durch ein neues Instrument ergänzt: Künstliche Intelligenz (KI). Sie soll die radiologische Diagnostik gezielt unterstützen und die ärztliche Expertise dort konzentrieren, wo sie am dringendsten gebraucht wird. Je früher Brustkrebs erkannt und behandelt werde, desto besser seien die Heilungschancen für die betroffenen Frauen, so Dr. Bettina Schultz, Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH). Der Einsatz von KI solle dafür sorgen, die Entdeckungsraten von Brustkrebs zu steigern, ohne dass es zu falschem Alarm oder unnötigen Zusatzuntersuchungen komme.

Die eingesetzte KI-Software analysiert digitale Mammografien, erkennt auffällige Strukturen, markiert sie farblich und berechnet Wahrscheinlichkeiten für eine mögliche bösartige Veränderung – sie zeigt also an, wo genauer hingeschaut werden sollte. Die finale Entscheidung über den Befund bleibt dabei uneingeschränkt bei den Radiologen. Die Implementierung der zertifizierten KI-Software erfolgt in radiologischen QuaMaDi-Praxen in Schleswig-Holstein, die sich freiwillig an dem Projekt beteiligen. Die Praxen können die für sie passende Softwarelösung selbst auswählen. Unterstützt werden sie dabei von der KVSH. Begleitet wird das Projekt durch das Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie der Universität zu Lübeck, das die wissenschaftliche Evaluation übernimmt. Das Gesundheitsministerium stellt für das Modellprojekt eine Förderung in Höhe von 500.000 Euro bereit. Die Mittel fließen unter anderem in die Installation der KI in den Praxen und in die Finanzierung der Lizenzgebühren für den KI-Einsatz.

Die Kombination aus ärztlicher Befundung und KI-Unterstützung verspricht gleich mehrere Vorteile: Auffälligkeiten können früher erkannt, Unsicherheiten in der Beurteilung reduziert und falsch-negative oder falsch-positive Ergebnisse minimiert werden. Zudem ermöglicht die KI eine gezieltere Steuerung der Fälle: In bestimmten Konstellationen, wenn sowohl KI als auch der Radiologe einen Fall als unauffällig einstufen, kann die zweite ärztliche Befundung entfallen. So bleibt mehr Zeit die sorgfältige Beurteilung schwieriger, auffälliger oder grenzwertiger Befunde.

Die schleswig-holsteinische Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken (CDU) betonte: „QuaMaDi ist ein wichtiges Angebot, mit dem Brustkrebs bei Frauen frühzeitiger erkannt werden kann. Durch den Einsatz von KI bei QuaMaDi wird die Diagnostik besonders bei kleinen Tumoren zukünftig noch besser, wovon die betroffenen Patientinnen profitieren werden. Zudem werden Radiologinnen und Radiologen entlastet, weil weniger komplexe Fälle durch KI-Unterstützung befundet werden können. Somit trägt das durch KI ergänzte Früherkennungsprogramm zur Sicherung der Versorgung bei. Auch deshalb fördert das Land dieses Modellprojekt.“

Laut Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest, erwarten die Kassen durch den Einsatz von KI erwarten für die Versicherten eine schnelle Verfügbarkeit von Diagnosen in einem besonders frühen Stadium. Eine frühe Diagnose bedeutee für die Behandlung der betroffenen Frauen oft eine schonendere Therapie und eine bessere Prognose.

Jedes Jahr werden in Schleswig-Holstein zwischen 65.000 und 70.000 Frauen mit erhöhtem Risiko oder einem Verdacht auf Brustkrebs im Rahmen von QuaMaDi untersucht. 2023 wurden dabei rund 1.000 Fälle von Brustkrebs neu entdeckt. Der überwiegende Anteil dieser Krebsfälle wird in einem frühen Stadium erkannt. Das Screening-Programm gibt es in Schleswig-Holstein flächendeckend seit 2005. Zentrales Instrument ist eine strukturierte Zusammenarbeit aller beteiligten Arztgruppen (niedergelassene Gynäkologen, Radiologen, Pathologen und Ärzte in spezialisierten Brustzentren in Kliniken). Jede Mammografie-Aufnahme wird nicht nur von einem, sondern zusätzlich durch einen zweiten, unabhängigen Radiologen beurteilt. Bei einem verdächtigen oder nicht eindeutigen Ergebnis begutachtet außerdem ein dritter Arzt in einem Brustzentrum die Befunde und Bilder. Der gesamte Prozess ist digitalisiert. Alle Bilder und Befunde werden auf einer zentralen telematischen Plattform – der elektronischen Fallakte – gebündelt. Auf diese Unterlagen haben die beteiligten Ärzte einen sofortigen Zugriff. An dem Programm nehmen aktuell knapp 460 Ärzte teil: Gynäkologen (357), Radiologen (74), Pathologen (17), Ärzte in vier Brustzentren (10). Vertragspartner bei QuaMaDi sind die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH), die AOK NordWest, der BKK Landesverband Nordwest, die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG), der Verband der Ersatzkassen (vdek) sowie weitere beigetretene Krankenkassen.