Prof. Dr. Saif Afat, RöKo-Kongresspräsident
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Den RöKo neu denken - Interview mit Kongresspräsident Prof. Dr. Saif Afat

/ RT-Redaktion / Interview

Im Interview spricht Prof. Dr. Saif Afat, RöKo-Kongresspräsident und Geschäftsführender Oberarzt am Uniklinikum Tübingen, über den Röntgenkongress 2026 in Leipzig, über die Veränderungen, die das Fach treiben und über die Zukunft der Radiologie.

Prof. Afat, das Bundesgesundheitsministerium erkennt im Krankenhausreformanpassungsgesetz die Radiologie als ‚Grundvoraussetzung für weitere ärztliche Therapieentscheidungen‘ an. Trotzdem hat das Fach mit finanziellen Einschränkungen, wachsender Bürokratie und Fachkräftemangel zu kämpfen. Wo sehen Sie Lösungen?

Die Anerkennung der Radiologie als Grundvoraussetzung ist absolut richtig, aber sie muss sich auch strukturell abbilden. Wir müssen drei Dinge klar betonen: Radiologie spielt eine zentrale Rolle in Prävention, Diagnostik und Therapie. Ohne uns funktioniert moderne Medizin nicht. Die Lösungen liegen für mich in drei Bereichen:

  • klare strukturelle und finanzielle Stärkung der Radiologie
  • konsequente Digitalisierung und KI, um Prozesse zu verbessern und Teams zu entlasten
  • Attraktivität des Fachs erhöhen, um dem Fachkräftemangel zu begegnen

Am Ende darf Radiologie nicht als Kostenfaktor gesehen werden, sondern als das, was sie ist: ein zentraler Treiber für Qualität im Gesundheitssystem.

Künstliche Intelligenz ist in der Radiologie schon lange ein Thema – was bedeutet die zunehmende Geschwindigkeit der durch KI angestoßenen Veränderungen?

Die Geschwindigkeit ist enorm und vor allem eine riesige Chance. Dass KI die Radiologie prägt, ist ein No-Brainer: Über 75 Prozent der KI-Tools in der Medizin kommen aus der Radiologie. Wichtig ist, dass wir KI nicht nur als Effizienztool sehen, sondern als echten Hebel für bessere klinische Entscheidungen. Und klar: Wir müssen die Entwicklung aktiv mitgestalten, sonst werden wir gestaltet.

Sie gehören zum Präsidium des Röntgenkongresses 2026, der unter dem Motto „Radiologie grenzenlos“ steht – was ist damit gemeint?

,Radiologie grenzenlos' bedeutet für mich, dass wir uns bewusst von klassischen Grenzen lösen. Das betrifft mehrere Ebenen: fachliche Grenzen (Radiologie ist längst integraler Teil klinischer Entscheidungen), technologische Grenzen (KI und neue Bildgebung verändern unser Arbeiten grundlegend), strukturelle und geografische Grenzen (mehr Vernetzung und internationale Zusammenarbeit), Grenzen zwischen Arbeitsgruppen (wir müssen stärker zusammenarbeiten statt in Silos denken).

Und ganz wichtig: Die radiologische Community besteht nicht nur aus Radiolog:innen. Sie umfasst Studierende, MTRs, Medizinphysiker:innen, Wissenschaftler:innen und die Industrie – und genau dieses gemeinsame Verständnis wollen wir mit „Radiologie grenzenlos“ sichtbar machen. Ein spannender Punkt: Unser Motto ist dieses Jahr zum ersten Mal ohne Untertitel. Das haben wir ganz bewusst so gewählt, um Kreativität anzuregen, denn jede und jeder in der Community kann sich unter ,grenzenlos' etwas anderes vorstellen. Genau dieses gemeinsame, offene Verständnis wollen wir sichtbar machen.

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Der RöKo zieht in diesem Jahr nach Leipzig um – welche Neuerungen gibt es sonst noch?

Der Umzug nach Leipzig ist für uns mehr als nur ein Ortswechsel, es ist die Chance, den RöKo neu zu denken. Wir nutzen die neuen Rahmenbedingungen, um Formate weiterzuentwickeln und neue Ideen auszuprobieren, interaktiver, moderner und näher an der Community. Ein Fokus liegt klar auf Innovation und Austausch: mehr Beteiligung, neue Formate (auch ungewöhnliche!) und eine stärkere Vernetzung aller, die Radiologie ausmachen. Kurz gesagt: Leipzig wird nicht nur ein neuer Standort, sondern ein neues Kapitel für den RöKo.

Was sollte sich jeder, der in Leipzig dabei ist, unbedingt anschauen?

Ganz klar: Es gibt einige Highlights, die man auf keinen Fall verpassen sollte. Die Eröffnung, sie setzt den Ton für den gesamten Kongress. Die Röntgenvorlesung – immer ein besonderer Blick über den Tellerrand.

Und dann unsere neuen, etwas anderen Formate: Rockstars of Radiology, Steile These – bewusst provokant gedacht, die Social Media Session und der Röko-Feierabend.

Dazu kommen weitere Überraschungen und auch Kunstausstellungen, die zeigen, dass Radiologie mehr ist als nur Befunde und Technik.

Mein Tipp: Lasst euch treiben, bleibt neugierig und nehmt auch die Dinge mit, die man vielleicht nicht direkt erwartet. Genau da entsteht oft das Spannendste.

Und worauf freuen Sie sich ganz besonders?

Ich freue mich ehrlich gesagt am meisten auf die Menschen. Ich habe es schon oft gesagt: Der RöKo ist für mich ein bisschen wie ein Homecoming aus der Highschool. Man trifft bekannte Gesichter wieder, lernt neue kennen und spürt einfach diesen besonderen Spirit der Community. Am Ende sind es genau diese Begegnungen, die den RöKo so besonders machen.

Zum Abschluss: Wie wird sich die Arbeit von Radiologen und MTR bis 2035 verändern?

Radiologie ist so relevant wie noch nie und wird es auch 2035 sein. Natürlich werden sich Rollen verändern: Radiolog:innen und MTRs werden noch stärker mit KI und digitalen Tools arbeiten, Prozesse werden effizienter und automatisierter. Aber genau dadurch verschiebt sich unser Fokus: weg von reiner Befundung hin zu mehr klinischer Verantwortung, Entscheidungsunterstützung und Interaktion mit Patient:innen und Kolleg:innen. Radiologie wird nicht verschwinden, sondern sie wird noch zentraler für die Medizin der Zukunft.

Vielen Dank für das Gespräch!

Dieser Beitrag stammt aus dem Newsletter Radiologie zum Röko 2026. Melden Sie sich hier kostenlos an, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!